Samstag, 13. August 2016

Through the doors.

Fatima Masumeh Shrine. In between. Qom.


From Tehran to the Caribbean. Tehran.


Nadia* in Shoe Fabric. Outer-skirts, Qom.


Rahmeh with purple Scarf and nails in Shiraz.



Walking Varsaneh at daytime. Zoroastrian white cotton. Isfahan desert. 


Walking Varsaneh at night. Zoroastrian white cotton for the elderly and black cotton for the younger generation.
 Isfahan desert. 


Lifting the curtains in Tehran. Mosque. Friday Prayers. Female changing room.


Afternoon tea with the girls.

Nazumeh studying German with her new phone app.





Home in the afternoon. 

Nazadeh prepairing the living home for the dinner. Nazadeh is 89 years old.





Quamai in Varsaneh. Quamai is 91 years old and traditionally wears the white cotton from the pre-islamic Zoroastrian tradition of the village.




Afternoon nap.
Lizzy, her daughter Manuk and the boys.
The carpet will in the background will take another 2 years to be finished.



Laila preparing picnic.




Laila picking rhubarb in the mountains of Qom.



[Pictures taken on a visit to friends and friend's families in Iran in Spring 2016. 
Copyright (c) Franziska Grillmeier; please do not share/publish without permission. 
*The names of the people in the pictures are changed.]












Mittwoch, 28. Oktober 2015

Wohin gehen wir Abu Zaidan?


Der Gewürzladen lag neben dem städtischen Hammam mitten in der Altstadt von Nablus.
Drinnen stapelten sich verbeulte Apothekenkanister. Gewürze vermischten sich mit dem Raum und Zeit. Das gemeinsame Grün der Kanister radierte jeden Unterschied aus.

Auf dem weissen Plastikhocker sitzend hatte man den Obstwagen gut im Blick.
Er stand nach dem Abendgebet bereit und brüllte in Farb' und Form den Betenden entgegen.
Die blauen Vögel überschlugen sich in ihren Käfigen.

Abu Zaidan hatte mir in einem langen Nachmittag viele Geschichten über die Ästhetik des Glaubens und der Liebe geschenkt und so sassen wir nun schweigend in der Ecke des Ladens und sahen dem Untergehen der Sonne zu.

Ein Junge, seine Schultern in eine nationale Flagge gehüllt, brach unser abendliches Versinken. Er hatte Seife für seiner Schwester bestellt.
Er zwinkerte mir kühn zu, als Abu ihm den Rücken zuwandte um die Seife einzupacken und deutete stolz auf seine Flagge.
Als Abu das Seifenstück mit einem Draht durchtrennt und eingewickelt hatte, stellte der Junge fest,  dass er nur die Hälfte der Seife bezahlen konnte. Abu reichte ihm die kleine Tüte, lies die Kasse geschlossen und der Junge verabschiedete sich schüchtern. Beim Hinausgehen rutschten seine Schultern in Richtung Brust und Ohren.

'Die Palästinensische Identität .." lächelte Abu und setzte sich leise neben mich "ist ein Mythos, eine Illusion, ein Käfig, wie jede andere Form von nationaler Identität." 

Die Vögel hatten sich mittlerweile in ihren Käfigen beruhigt, der Obstwagen stand verlassen in der Gasse und es blieb nur mehr der Takt der Gebetskugeln.

"Illusion..." wiederholte Abu und blickte auf seine Schuhe.

Plötzlich gellte ein Schrei und der Junge, der noch vor wenige Momenten im Laden gewesen war, stürmte ohne Flagge, versagter Stimme und gejagten Augen in den Laden. Ein wildes Geschrei brach aus, angefeuert durch eine Gruppe von Jungen die feixend aneinander festhielt, die gestohlene Flagge in die Luft streckend und Dinge rufend, die ich nicht verstehen konnte.

Abu richtete sich voller Ruhe auf, ignorierte die johlende Menge, kniete mit einem Bein nieder und sah dem Jungen fest in die überschlagenden Augen. Er hörte seiner Geschichte zu und brachte ihn nach Hause zu seiner Familie, ohne der Gruppe auch nur einen Blick zu schenken.

Als er zurückkam, war der Obstwagen schon dem Feierabend entgegengerattert, die Vögel schliefen in ihren Käfigen, die Flagge lag in den leeren Obstkartons vor dem Laden und ich hatte ein letztes Mal für diesen Tag Teewasser aufgesetzt.

Abu stellte sich neben mich, zog eine Zimtstange aus einem grünen Kanister und rührte damit ruhig in seinem Glas. Nach einer Weile legte er die Zimtstange behutsam auf den Unterteller und sagte:

"Wir müssen unseren Kindern bessere Antworten geben können  wenn sie uns fragen, wohin sie gehen sollen. Ihnen nur zu erklären woher sie kommen, lässt kein nach vorwärts gerichtetes Leben zu. Auch wenn es hier unmöglich scheint."

Danach verschloss er die Fensterläden des Ladens vor der hereinbrechenden Nacht.
Es war das letzte Mal das wir uns sahen.

Bei Abu.
Nablus, Mai 2015. 



Samstag, 8. August 2015

Vom Ende



So versank Kurdistan im Rausch des Festes ʿĪd al-Fitr und es wurde Zeit aufzubrechen.
Nach Georgien. Ziel blieb es bis zum Ende des Monats in Armenien angekommen zu sein.
Doch beim Übergang der Grenze von Hopa nach Batumi offenbarte sich das Ende einer Welt.
Das Ende einer Reise.

Es ist nicht immer einfach, die Zeichen die vor einem liegen richtig zu deuten. Doch in Georgien spürte ich ein anderes Feuer brennen, dank der Worte von Kierkegaard, die ich zu Beginn der Reise in meine Notizen geschrieben hatte:
"In einem Theater brach hinter den Kulissen Feuer aus. Der Pierrot trat an die Rampe, um das Publikum davon zu unterrichten. Man glaubte, es sei ein Witz und applaudierte. Er wiederholte seine Mitteilung; man jubelte noch mehr. So, denke ich mir, wird die Welt eines Tages untergehen."


... war ich angekommen oder schon wieder gegangen?
Ich war gegangen.




















Donnerstag, 9. Juli 2015

Wie die Windmühle zu den Wolken flog










Stimmen fallen wie reissende Steine die Kneipentreppen hinab.
Sechs Männerbrazen überschlagen sich wie eine Mühle im Rausch des Weins.

Ritter der Vergänglichkeit.

Nie mehr werden die Stimmen so wie heute Abend erklingen. 
So lasst uns die blanken Bäuche noch mit größerem Stolze tragen.

Mehr Wein in die hölzernen Kehlen.

Auf einen letzten Tanz.







Tiflis, Georgien, Sommer 2015.



Rosa's Zimtkreuz

Die jüngste Tochter Rosa. Sie hat noch eine Schwester und vier Brüder.

Drei Heiligenbilder an einer feuchten Kellermauer. 
Das Licht einer einzelnen Glühlampe bricht durch schmutzige Plastikbecher. 
Filterloser Tabak entflammt. 
Syrischer Rotwein wird eingeschenkt.

Rosa's blonde Haare sind mit einer Wäscheklammer nach oben gesteckt.

Der Muezzin ruft nah, doch hier wird sein Ruf nicht gehört.


Milchreis mit Zimkreuz. 




[Zu Gast bei einer syrisch-orthodoxen Familie, die vor zwei Jahren aus den Wirren des syrischen Bürgerkriegs geflohen ist und seitdem in einem verfallenen Haus im türkischen Midyat lebt.]

Kurdistan Juli 2015
Türkisch-Syrische Grenze - Mydiat



Donnerstag, 2. Juli 2015

Im Zweistromland


Es weht ein leichter Wind heute, der die Blätter wirbeln lässt und die Äste dabei nicht berührt.
Mesopatamien schwirrt ausgedörrt in der Ferne. Vögel wirbeln in Spiralen bis unter die letzten Fransen des Himmels. 
Mund, Auge und Finger tasten die Weite ab. 
Nüße knacken an den Zähnen. Das Salz brennt im Rachen.
Es ist still. Ausatmen. Danken. 
Ich drehe mich zum Gehen.

Nur eine Bewegung, ein weiterer Windstoß und Blei fällt, Barrieren öffnen sich. 
Weiße Haarspitzen, tiefe Gruben und ausladende Backen mit feiner Stirn laden ein, gemeinsam das Fasten zu brechen. 
Ruhig ist das Lächeln, während die Kugeln der Gebetskette leise hauchen.

Eine neue Begegnung, die einem wieder eine Heimat schenkt, das Leben an die Gurgel nimmt und einen zurücklässt in vollem Bewusstsein des Glücks.




















      [Mesopotamien - auf der Landstrasse nach Mardin - Länderdreieck Türkei-Syrien-Irak
Juli 2015]

Montag, 8. Juni 2015

Wärme

                                                           

Hamburger Deichtorhallen - 8.33h.
Kurze Rückkehr nach Deutschland
- der Spiegel im grünen Mantel.


Dienstag, 19. Mai 2015

Yaum al-Dschum'a - Tag der Zusammenkunft

Es ist Freitag in Hebron.
Tag der Zusammenkunft und des Gebets.
An diesem Tag wird der Tee süßer.
Hier den Zauber des Guten zu sehen ist eine Ausnahme - ein trotzdem.
Die Fliegen reiben ihre Beine aneinander, während die Strassen der Altstadt abgestorben in der Sonne glühen.

Metallkäfige sind um die Fenster der alten Häuser gewunden, um Mensch vor Stein und Feuer zu schützen.
Die Türschwellen sind verklebt - unbenutzt, da die palästinensischen Hausbewohner nicht durch ihre eigenen Türen gehen dürfen. Es ist eine Israelische Strasse auf der ich stehe.
Der einzige Weg um neuen Zucker für den Tee zu besorgen, ist, über die Blechdächer zu klettern.

Kinder laufen mit der gleichen Anstrengung wie Ringer nach dem Kampf.
Autos fahren mit blinden Fenstern.
Das Weiß der Sonne prallt wie falsch gezielt an den Knieschützern der Soldaten ab.

'Ich bin müde. Obwohl heute Nagba Tag [Palästinenser erinnern am 15. Mai durch Demonstrationen an ihre Vertreibung durch Israel] ist, hoffe ich, dass alles ruhig bleibt. Es ist einfach zu heiß' sagt ein Polizist und trocknet den Schweiß zwischen den Fingern mit einem Taschentuch.

Ein Junge mit Sonnenbrille, weissem California T-Shirt und bis auf die Schläfenlocken gestutztem Haar steht auf einem Plastikrasen auf der Strasse vor seinem Elternhaus. Er trägt ein hölzernes Maschinengewehr um den Hals. Als ich mich mit meiner Kamera für ein Foto auf das Plastik knie, dreht sich der Junge um und lächelt.
Durch die schwarzen Brillengläser kann ich seine Augen nicht sehen.

Die Stimmen der Kinder hinter den Fensterkäfigen bewegen sich wie ein Lasso durch die Mittagsluft. Sonst rührt sich nichts.
Der müde Soldat hat Glück. Heute wird es zu keinen Ausschreitungen kommen.
Die Stimmen in der Hitze erstickt.

Eine Welt, die unser Dasein nicht bestätigt - da die Rufenden nicht mit den Hörenden verbunden sind.

Nicht mal an diesem Tag der Zusammenkunft.









[Hebron - 15 Mai 2015]

Montag, 11. Mai 2015

Im Ministerium für besondere Anliegen

Ein weißer Schnauzer bricht den Schweiß der ersten Morgenstunden.
Zwei graue Anzüge falten sich schwer beringt um den Tischrand.
Feste Finger auf lichtem Haar.
Jassir lächelt in Blei gegossen von Glasschrank herab.

Lücken entzweien schwere Zahnreihen.
Die Flagge taumelt gepfählt in der Ecke.

Der Direktor des Gesundheitsministeriums rutscht ziellos in seinem Stuhl hin und her.
Die Stuhllehnen sind mit gebrochenem Plastik überzogen.
Die Ecken gelb aufgequollen.
Die Blicke der zwei 'political bodyguards' am Tisch lassen mich nicht aus.

Ein junger Mann mit lila Hemd kommt in die Tür hinein und serviert vier Tassen Chai.
'Es gibt nicht viele Antworten auf Ihre Fragen' sagt der Doktor auf Englisch zu mir.
'Alles hängt von politischem Geld ab' fügt er auf französisch hinzu.

Seine Augen schweifen von der Tischkante zu den zwei grauen Anzügen neben sich, die mittlerweile tief in ihren Handys versunken sind.

Sein Schnauzer zuckt, die Plastikfolierung knackt
und als wir uns zur Verabschiedung die Hände reichen,
reißt der Stuhllehnenüberzug entgültig entzwei.

Freitag, 8. Mai 2015

Richtende Formen

Die Sonne steht seicht am Himmel, ein Wind weht, und scheitelt die Haarschöpfe der Männer in der Mitte auseinander. Der erste Zug der Zigarette kratzt noch an den Rauchschlieren der letzten Nacht.

Diesel und der Geruch von warmen Autositzen liegt in der Luft.

Wir biegen beim Martyr Square rechts ab. 

Zwei Taxis stehen dicht hintereinander am Straßenrand. Ein Fahrer reißt die rechte Hintertür seines Kollegen auf und zieht den Passagier auf die Straße. Tritte. Ein schwarzer Käfer hält an, fünf Männer springen heraus und halten einander an den Schultern, halten einander zurück, verschwimmen in einer gewaltvollen Bruderschaft.

Münder ohne Zähne, abgerissene Tore ohne Atem.
Feixend verschränkte Arme in der Nähe,  Fäuste in der Ferne.

Willkommen in Nablus. 



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Kaffeesatz zwischen Finger und Zähnen.
Ein raues Gefühl von Zitronenschale auf der Zunge.
Der Geruch von Diesel und warmen Autositzen in der Luft.

Das Licht wird bleiern in Nablus.

Ein Fussball schiesst in meine Kniekehlen. Gelächter.
Ein Hauseingang mit Rollstuhl.

Dunkle Wimpern und eine Kalashnikov auf einem abgerissen Papier an der Hauswand.
Eine Hand winkt mich hinein und verschwimmt.

Abgebrochene Sonnenblumenkerne auf einem blauen Plastiktisch.
Zwiebeln treiben aus einem orangenen Netz aus dem Beton.
Finger tasten wirr nach richtenden Formen,
finden die süß-saure Belohnung von selbstgeschröpftem Käse.

Die Hände zurück im Schoss.
Eine Insulinspritze im Oberschenkel.
Augen kneifen sich zusammen.

Ein Rest vom Rührei liegt noch in der weissen Schale.
Aschespuren neigen sich langsam darüber.

Ein Blick ins Leere.

Die Dunkelheit wirkt zerfahren.
Die Erinnerung an den Sohn bleibt.

(c) Paul Lorgerie


[Nablus - 8 Mai 2015]